Bogotá – Los geht’s

Meine lange Amerikareise begann also in der Hauptstadt Kolumbiens, Bogotá. Warum habe ich überhaupt hier den Startpunkt meiner ganzen Reise ausgesucht?

Nun ja, als sich die Idee entwickelte, für längere Zeit ins Ausland zu gehen, war ich auf der Suche nach nem billigen Flug. Bogotá war der günstigste Ankunftsort in ganz Südamerika. Selbst Rio de Janeiro konnte das nicht unterbieten.

Ich habe von Frankfurt am Main nach Bogotá 625 Euro bezahlt – hin & zurück!

Insgesamt war ich ungefähr 20 Stunden unterwegs, da ich von Frankfurt über Madrid und Panama City nach Bogotá geflogen bin.

Als ich dann abends gegen 22 Uhr angekommen bin, musste ich erst einmal vom Flughafen zum »Musicology Hostel« in La Candelaria kommen.

Also habe ich mir ein Taxi geschnappt und ab zum Hostel. Mehr hatte ich bis hierhin ja nicht gebucht.

La Candelaria ist das Barrio, wo sich die jungen Leute rum treiben. Sei es Studenten oder Backpacker – du findest hier alle.

Aussicht vom Viewpoint »Monserrate«

Im Vergleich zum Rest von Kolumbien ist Bogotá recht kalt. Liegt es doch 2.640 m überm Meeresspiegel, in der fruchtbaren Hochebene der Anden – höchste und längste Gebirgskette der Erde.

Ok, in Asien gibt’s höhere, aber nicht längere Gebirgsketten.

Somit war ich gut vorbereitet, lange Hose und Pulli für die 13 Grad – trotz Hochsommer in Deutschland – hatte ich mir in Frankfurt dann doch noch angezogen.

Die Taxifahrt hat mich 30.000 Kolumbianische Pesos gekostet, das sind umgerechnet knapp 10 Euro. Für 30 Minuten Fahrt in Kolumbien, zudem nachts, voll ok.

So eine Taxifahrt in Bogotá oder generell in Kolumbien, muss man anfangs erstmal verdauen. Die fahren hier doch echt wie die Besenkten.

Lustig irgendwie, das gerade im Bus zu schreiben. Die Busfahrer sind nämlich nicht viel besser.

Straßenschilder und Ampeln existieren, sind im Straßenverkehr allerdings nur Statisten und werden nicht beachtet.

Einen Blinker setzen die meisten hier auch nicht. Dafür ist die Hupe der beste Freund, um den anderen zu signalisieren, dass man angesaust kommt.

Bei der Fahrt durch Bogotá im Taxi ist mir aufgefallen, dass in der mittleren Spur vor allem abends eine extra Streife lang fährt. Ein Pickup, der zur Sicherheit auf den Straßen beiträgt.

Da hat doch glatt ein deutscher Schäferhund aus der Plane heraus geguckt. Coole Begrüßung!

Während ich das hier gerade schreibe, weht mir ein dezenter Marihuana-Duft durch das Fenster in meine Nase.

Das ist ganz normal, wenn man in Kolumbien durch die Berge fährt. Das Zeug wächst und gedeiht hier prächtig.

Nachdem ich dann im Hostel angekommen war, wurde mir erstmal mein Dorm (Mehrbettzimmer) gezeigt.

Es war ein 4-Bett-Zimmer und mich haben dort 2 Mädels aus Münster erwartet.

Sie waren bereits seit einem knappen Jahr auf Tour und näherten sich so langsam dem Ende ihrer Reise.

Wir haben also ein bisschen gequatscht und Infos ausgetauscht – denn vom Austausch seiner Erfahrungen lebt man als Rucksack-Reisender.

Die Gespräche mit allerhand Menschen aus der ganzen Welt. Besser als jeder Reiseführer oder -blog!

Ein Glück, habe ich mir kurz vor der Reise noch einen Schlafsack gekauft, klein und handlich sollte er sein. Im Hostel war nämlich im Korridor das Dach dauerhaft geöffnet. In der Nacht wurde es also sehr frisch!

Am folgenden Morgen bin ich dann ein bisschen durchgefroren aufgewacht, doch ein leckeres Oatmeal hat mich dann wieder aufgewärmt und gut versorgt für den Tag.

Hier, im Musicology Hostel, habe ich dann Alex kennengelernt. Alex ist Franzose und sollte für mich ein guter Reisekumpel für die kommende Woche werden.

Alex war schon seit einiger Zeit in Kolumbien unterwegs, hat eine Freundin in Bogotá  (Stand 26.08.16) und war mir eine gute Hilfe beim Suchen von Destinationen in Kolumbien. Ich hatte ja wie gesagt noch gar keinen Plan aufgestellt.

Er spricht sehr gut Spanisch und konnte mir somit anfangs sehr gut beim Kommunizieren mit Einheimischen helfen.

Wir beide haben uns ausschließlich auf Englisch unterhalten, weil sein Deutsch nicht auf dem besten Stand war – obwohl er für 6 Monate in Nürnberg studiert hat.

Jaja, ich weiß, kann aber leider noch kein Französisch.

FRA vs. GER – EURO 2016

Das Lustige war, dass am 07.07.16 Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich gespielt hat. Somit hatten wir Zeit für ein paar Späße bis der Kampf dann los ging.

Wir haben uns nachmittags eine nette Bar im Zentrum Bogotás gesucht und haben einen Israeli und die beiden deutschen Mädels mitgenommen.

Vorab: vor 15 Uhr gibt es in der Zone Bogotás kein Bier in den Bars zu trinken. Bitter beim Halbfinale einer Fußball-Europameisterschaft.

Unsere Mannschaft hatte bis hierhin eine souveräne Leistung gezeigt und mit dem Viertelfinale gegen Italien, die im Achtelfinale Spanien rausgeworfen hatten, eins der besten Spiele gezeigt, die ich je gesehen habe.

Die Technik, die Pässe und die Geschwindigkeit – es war absolut grandios. Deshalb war es auch verdient, dass sie im Elfmeterschießen weiterkamen.

Aus unerklärlichen Gründen jedoch, konnte sich »Die Mannschaft« nicht gegen Frankreich durchsetzen…

Deutschland war klar die bessere Mannschaft, doch die Franzosen setzten mit Nadelstichen gute Akzente. Vor allem Antoine Griezmann gefiel wieder sehr gut. Sollte er doch zum Mann des Spiels werden.

Ende der Geschichte: ein Handspiel Bastian Schweinsteigers im eigenen Strafraum führte zu einem unnötigen Elfmeter für Frankreich, den Griezmann dankend versenkte.

Das 2:0 fiel abermals durch ihn, da sich ein Verteidiger der Deutschen durch eine einfache Körpertäuschung Pogbas austricksen ließ. Ich glaube es war Mustafi, der kurz zuvor eingewechselt wurde.

Frankreich konnte die Führung sicher über die Zeit bringen, ein Tor für Deutschland sollte heute leider nicht fallen.

Danach haben wir uns dann auf den Weg ins Hostel gemacht. Hier und da haben wir uns noch was angeschaut, doch der Tag war gelaufen.

Ein Abendessen in einem netten Restaurant für Backpacker habe ich mit einem Ami, einer Kanadierin und 2 Brasilianerinnen verbracht. Ich hoffe, ich kann sie alle ein Mal besuchen.

Graffiti-Hauptstadt

Am Freitag habe ich dann nach dem Frühstück eine City-Bike-Tour gemacht. Der Schwerpunkt lag auf den Graffiti der Stadt. Für Generation Y sehr zu empfehlen.

Bogotá ist in Kolumbien besonders für seine vielen Graffiti bekannt. Die Graffiti symbolisieren Freiheit für die Künstler. Denn es gab Zeiten, da wurden Graffiti-Sprayer von der Polizei einfach erschossen.

Der Besuch Justin Biebers in Bogotá – er durfte vor großem Publikum ein Graffiti sprühen – sorgte dafür, dass ein Wandel statt fand. Viele Kolumbianer verstanden zurecht nicht, warum ein Prominenter großen Polizeischutz für’s Graffiti sprühen erhält, während Kolumbianer für Graffiti erschossen werden… Ja, das ist fragwürdig…

Das Highlight am Freitag, der Besuch im Techno-Club »BAUM«, wurde von einem Ausflug auf das derzeit höchste Gebäude Kolumbiens eingeläutet.

Mirador »Torre Colpatria«

Ja, ich war schon in New York und die Wolkenkratzer sind wesentlich höher. Aber die Aussicht von hier oben war der Oberammer! Es war 18 Uhr und wir kamen fast genau richtig zum Sonnenuntergang. Früher sind Besichtigungen leider nicht möglich.

Nachdem Alex und ich wieder auf dem Weg zum Hostel waren, sind wir noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt einkaufen gegangen.

Ich war so begeistert von den unschlagbaren Preisen für Obst & Gemüse. Ananas, Avocado, Papaya, Blattspinat und, und, und… Ich könnte noch weiter aufzählen. Eine süße Ananas, mittelgroß, kostet ca. 1 Euro. Dole-Qualität. Einiges eingepackt und los ins Hostel.

Alex war letztlich doch nicht beim Feiern dabei, aber ich war dann mit einigen Freelancern vom Hostel zum Vorglühen in einer coolen Bar. Cube Libre schmeckt hier wirklich gut.

Angeheitert zurück im Hostel, bin ich dann in meinem Dorm auf 2 Franzosen und 1 Deutschen, Sandro, gestoßen. Wir 4 sollten dann den BAUM unsicher machen.

Der BAUM in Bogotá wird von einem deutschen Besitzer betrieben. Der Club gilt als einer der besten der Welt, weil oftmals Hochkaräter der Techno-Szene präsentiert werden. Len Faki, Roman Flügel, Magda, Paul Kalkbrenner. Das sind nur einige davon.

Es gibt 2 Floors, einen für Dark Techno und einen für Deep House. Der Außenbereich ist komplett mit einem transparenten Dach überdacht. Hinter dem DJ-Pult ragt ein großer Baum aus dem Dach hinaus.

Da der Club bis um 8 Uhr morgens offen hat, bekommt man nach Sonnenaufgang ein ziemlich geiles Setting.

Samstag habe ich dann nach dem Aufstehen die Taschen gepackt. Und dann ging es Richtung San Gil. Place2be für Adrenalin-Junkies.