Minca – Wasserfälle, Riesen-Hängematten und Baby-Toucan

Endlich kann ich von Minca berichten. Es ist und bleibt einer meiner Lieblingsorte auf meiner bisherigen Reise. Dieses kleine Dörfchen liegt knapp 40 Minuten ganz in der Nähe von Santa Marta. Doch trotzdem trennen beide Orte Welten.

Mitten im Regenwald und in den Bergen der Sierra Nevada de Santa Marta, kann man diesen Ort als einen weiteren Ruhepol im Norden Kolumbiens verstehen.

Wenn du dich darauf einlässt, dann reicht es aus, den Geräuschen des Dschungels zuzulauschen, während du im Pool sitzt oder in der Hängematte chillst und liest.

Wer es hingegen aktiver mag, dem bieten sich folgende Aktivitäten:

  • Vogelbeobachtungen,
  • Tageswanderungen,
  • Mountainbike-Tour,
  • wunderschöne Sonnenuntergänge,
  • gutes Essen und
  • Baden unter Wasserfällen.

Minca hat reichlich zu bieten.

Um jedoch dorthin zu kommen, mussten Céline und ich in Santa Marta ein Taxi nehmen. Ein Collectivo wäre auch möglich gewesen, doch generell siehst du dort keine Busse hinfahren.

Wir beide hatten Glück, denn 3 weitere Mädels wollten mit uns das Taxi teilen. Und es passen eigentlich nur 4 Fahrgäste ins Taxi.

So aber nicht bei den Kolumbianern. Gepäckstücke, die nicht in die Karre passten, wurden aufs Dach gespannt. Und 4 Mädels passen halt locker auf die Rückbank.

So sind wir mit ordentlich Übergepäck dann langsam los getuckert. Bis der Taxi-Fahrer dann gemerkt hat, dass zu wenig Luft auf den Reifen ist. Erst mal aufpumpen.

Dann sind wir aber wirklich los. Die Fahrt war ziemlich lustig, weil wir bei ansteigender Straße in die Berge von Lkws überholt wurden. Zum Glück verging die Fahrt fix.

Wie auf dem Bazar

Als wir dann im Dorf von Minca angekommen waren, stürzten sich plötzlich ganz viele Männer auf unser Taxi. Sie wollten ja nur helfen.

Es stellte sich heraus, dass alle Mototaxi-Fahrer waren. Und sie witterten die Moneten.

Mir war das Ganze unbehaglich, war das doch meine 1. Begegnung mit kolumbianischen Mototaxi-Fahrern. Und die können einem schon ganz schön auf die Nerven gehen.

Nach langem Hin und Her und gegenseitigem Abtasten, haben wir dann den Preis für die Fahrt zu unserem Hostel ausgemacht.

Es gibt nämlich 2 Optionen, um nach ganz oben zum »Casa Elemento« zu kommen. Entweder mit dem teureren Jeep oder den günstigen Mototaxis.

Das Casa Elemento ist bisher eines meiner Highlights auf der Südamerika-Reise

Risiko eingegangen und rauf auf die Maschine. Der große Backpack wurde über den Lenker geworfen, ich hinten drauf mit dem kleineren Rucksack.

So sind wir dann in einer Kolonne von 5 Mototaxis auf die Piste. Denn eine Straße war das nicht. Es ging auf und ab und hin und her. Überall waren Schlaglöcher im Weg. Die reinste Achterbahnfahrt.

20 Minuten hat die Fahrt nach ganz oben gedauert, für 20.000 Pesos. Stolzer Preis, doch so ungefährlich war die Fahrt wirklich nicht.

Allein dieser Weg mit Motorrad war schon die Reise nach Minca wert.

Als wir dann am Casa Elemento angekommen waren, ging es erst mal zur Rezeption zum Check-In. Leider gab es für uns keine Betten mehr im Hostel. Doch 5 Minuten Fußweg weiter bergauf gab es eine Finca, die gerade ganz neu erbaut wurde.

Das war perfekt für mich. Denn das Casa Elemento ist unter Backpackern wirklich super beliebt und dann kann da schonmal viel los sein. Ich konnte also entscheiden, ob ich meine Ruhe in der Finca oder ins Getümmel im Casa Elemento wollte.

Am 1. Tag gab es keinerlei Strom. Das heißt auch kein WiFi. Für einige war das natürlich eine ganz schlimme Nummer, nicht wahr, Céline?

Atemberaubende Aussichten

Die Hauptattraktionen des Hostels sind seine gigantischen Hängematten, die quasi über dem Abgrund des Regenwaldes schweben. Eine ist starr und mit der anderen kann man sogar schaukeln.

Die Aussicht, die man von dort genießen kann, ist sagenhaft. Soweit das Auge reicht siehst du den Dschungel. Solange es noch klar ist, reicht die Sicht sogar bis Santa Marta und das Karibische Meer.

Wir haben also diesen wunderbaren Ort genossen und uns mit den anderen Rucksack-Touristen unterhalten. Generell herrscht dort eine tolle Atmosphäre, alle rücken irgendwie näher zusammen.

Woran das wohl liegt?

Am Abend gab es dann ein gemeinschaftliches Abendessen. Du hast die Wahl zwischen 2 Gerichten: vegetarisch oder mit Fleisch.

Um 19 Uhr oder 19.30 Uhr gibt es Abendessen. Und das wird zusammen mit allen an einem Tisch gegessen. Was für eine tolle Idee! Wie früher auf Klassenfahrt.

Ich weiß es heute noch, es gab an dem 1. Abend Hühnchenspieße. Und die haben sowas von genial geschmeckt! Die verwenden da oben nur beste Lebensmittel. Gemüse kommt aus eigenem Anbau. Genauso wie Kaffee und andere Feinheiten, was das Herz begehrt.

Eine stolze Leistung auf jeden Fall, was das Personal da vom Stapel gelassen hat. Denn aufgrund eines bösen Sturms am Abend zuvor, war der Strom ausgefallen.

Daher mussten sie unser Essen komplett im Dunkeln zubereiten. Bei Kerzenlicht. Und es war dennoch soooo köstlich.

Beim Frühstück besuchte uns dieser Baby-Toucan. Er war verletzt und hier wurde er vom Chef des Hauses wieder fit gemacht

Alt wird man im Casa Elemento eher weniger. Man steht meistens früh auf, unternimmt was oder chillt in der Sonne und ist demnach abends auch ganz schön müde.

Außerdem gibt es ja auch keine großen Möglichkeiten auszugehen. Die Mototaxis fahren im Dunkeln nicht.

Außer man hat Glück im Unglück, wie Céline und ich am nächsten Abend.

Uns hatte es nach unten ins Dorf von Minca getrieben, weil wir eine Tagestour gemacht hatten und etwas im Internet erledigen mussten.

Wir sind ein bisschen einkaufen gewesen und waren hinterher noch wandern. Wir wollten zu einem der beiden Wasserfälle.

Doch auf dem Weg dorthin sind wir im »Meat-Restaurant« hängen geblieben. Dort gibt es bestes Fleisch vom BBQ-Grill.

Hinterher waren wir irgendwie zu müde, um uns den weiteren Strapazen auszusetzen.

Demnach sind wir dann ins Internet-Café gegangen. Für mich ging es relativ schnell, ich hatte meine Sachen fix erledigt.

Céline hingegen musste noch mit ihrem Freund in Medellin telefonieren und hat sich etwas verzettelt. Etwas…

Ich bin in der Zeit rum geschlendert und habe bei einem Fußball-Pokalspiel der Amateure zugeschaut. Das war nur »Kick and Rush«. Ball ab nach vorne und den Schnellsten flitzen lassen.

Hart am Limit

Irgendwann kam Céline dann zum Glück zum Ende. Es hatte vor einigen Stunden geregnet, dann war Pause und jetzt begann es wieder wie aus Kübeln zu schütten.

Und es war dunkel. Die Mototaxis wollten nicht mehr fahren.

Doch zufälligerweise bin ich am Fußballplatz mit welchen ins Gespräch gekommen, die so bekloppt genug waren, uns für je 30.000 Pesos nach oben zu kutschieren.

Alter Schwede, das war eine Höllen-Fahrt. Kurzzeitig dachte ich, wir würden heute das Zeitige segnen. Doch nicht mit uns!

Festgekrallt an den Griffen. Der kleinen, flinken Maschine und dem Hin- und Herrutschen der Reifen getrotzt.

Es ging lange Zeit gut, doch irgendwann hat es mich dann erwischt. Mein Mototaxi ist im tiefen Schlamm stecken geblieben.

Ich hab also dem jungen Kolumbianer versucht sein Arbeitsgerät zu retten. Ging auch anfangs ganz gut.

Wieder rauf geschwungen und weitere 50 Meter gefahren. Jetzt war aber Schluss mit dem Mitfahren. Die Maschine wollte mich Fetti offensichtlich nicht mehr aushalten in der Gefahrensituation.

Nun gut, dann laufe ich eben das Stück.

Im strömenden Regen und dauernd am Ausrutschen, bin ich dann die letzten 5 Minuten durch den Schlamm gestampft. Ich sah vielleicht aus danach… Hat mit mir ja den Richtigen erwischt, ich liebe es ja im Schlamm zu spielen.

Glücklicherweise sind wir beide oben sicher angekommen.

Tausend-Dank ging an unsere beiden Helden und  Schutzengel. Ehrlich, sowas habe ich echt noch nie erlebt.

Wir sind dann direkt in die Finca, duschen und ab in die Falle.

Auf dem Weg dorthin, fing es dann plötzlich an, überall in der Luft zu leuchten.

»Glühwürmchen«, dachte ich Hauptstadt-Honk doch direkt. Nee, das waren Feuerfliegen. Schön Grün leuchten die im Dunkeln.

Es ist wirklich wunderschön zu den Geräuschen des Urwalds einzuschlafen. Frösche, Grillen und sonstige Tiere treiben dort nachts ihr Unwesen.

Kindheitserinnerungen werden wach

Das Lustige ist, dass ich gerade in Mindo, Ecuador, bin. Während ich das hier schreibe, genieße ich wieder die positive Energie des Urwalds.

Es ist abends und es ereignen sich original dieselben Geräusche, wie in Minca. So entstehen Parallelen, schließen sich Kreise.

Dazu kommt noch ein Lagerfeuer-Rauch-Duft, der mich an meine frühe Kindheit erinnert. An die Indianer.

Ich war nämlich oft bei meinem Opa zu Besuch und in der Nähe seines Hauses, hat jemand immer ein großes Feuer auf dessen Grundstück gemacht.

Als wir beide dann dort vorbei gelaufen sind, haben wir immer gesagt: »guck mal, da sind wieder die Indianer.«

Es war irgendwie magisch und ich bekomme Gänsehaut, wenn ich jetzt daran denke.

Komisch, dass mir das gerade in den Sinn kommt, wo ich in den Anden Ecuadors bin. Dort, wo es immer noch indigene Völker gibt. Indianer.

Nun gut, nach 2 Nächten wollten Céline und ich wieder nach Santa Marta zurück. Für sie sollte es zum Flughafen und weiter nach Medellin gehen.

Ich wollte nicht in Santa Marta bleiben und habe mich deshalb für Taganga entschieden, einem kleinen Fischerdorf in einer hübschen Bucht nebenan von Santa Marta.

Vorher wollten wir jedoch noch den Wasserfall sehen. Und das haben wir auch.

Ein Mototaxi hat uns mit unserem Sack und Pack dort abgesetzt und 30 Minuten auf uns gewartet. Der Wasserfall lag auf dem Weg zum Dorf von Minca.

Man konnte unter dem Wasserfall baden – aber es war richtig kalt

In Palomino hatte uns der Besitzer vom Tiki Hut Hostel noch eine kleine Empfehlung für den Wasserfall ausgesprochen. Das haben wir uns dann zunutze gemacht und konnten uns das Eintrittsgeld sparen.

Abgekühlt und unterm 1. Wasserfall gebadet, ging es dann nach Santa Marta. Die Schweizerin und ich verabschiedeten uns dort und jeder ging seines Weges.

In Taganga kann man, wie in Thailand, sehr günstig seinen Tauchschein machen. Für mich sollte es dort jedoch noch nicht soweit sein. Dafür bekam ich dort einen meiner schönsten Sonnenuntergänge überhaupt zu sehen.