Monguí – eine der schönsten Wanderungen im Páramo de Ocetá

Große Aufregung herrschte, als ich nach Boyacá-Kolumbien reiste, um eine Wanderung durch den Páramo de Ocetá zu machen. Einem besonderen Ökosystem in Kolumbien, wodurch 70% des Wassers für die Bevölkerung sichergestellt wird.

Monguí – ein verschlafener Ort, wo kaum Touristen sind. Es hatte sich bestätigt.

paramo-de-oceta-mongui-10-kolumbien-hinreisend

Monguí – eine der schönsten Wanderungen im Páramo de Ocetá

Kolumbien – In Monguí ticken die Uhren anders und es ist vor allem sehr ruhig dort – perfekt, um auf eigene Faust die Gegend zu erkunden. Die »Indigenas« – so nennt man die Einheimischen in den Bergregionen – sind die meiste Zeit über sehr nett zu mir gewesen. Aber natürlich können sie auch ein wenig genervt sein, wenn eine große Truppe Touristen sich in ihren Gebieten breit macht.




Aber in Monguí merkt man von genervten Einheimischen absolut gar nichts. Hier herrscht ein Leben, welches man womöglich schon vor 20 Jahren hier so gelebt hat. Es gibt keine großen Supermärkte, kein Nightlife oder Karibikfeeling. Trotzdem hört man aus einigen Läden einen lauten Lautsprecher mit Salsa oder Rumba bummern.

mongui-2-kolumbien-hinreisend
Der Ausblick aus meiner Unterkunft in Monguí, Kolumbien

»Puente Real de Calicanto« ist der Name dieser traumhaften Brücke. Wer würde dabei direkt an Kolumbien denken?

Kolumbianische Gemütlichkeit und Ponchos

Ich hatte mir meine Pension mit dieser Aussicht ausgesucht. Morgens war es so kalt, dass ich noch in eine Decke eingemurmelt auf dem Balkon mit Kaffee in der Hand stand und den »Rancheros« (Deutsch: Bauern) dabei zusah, wie sie ihre Waren durch den kleinen Ort transportierten – sehr gerne taten sie das auf ihrem Pferd. Einen Esel hatten sie auch gerne dabei.

mongui-3-kolumbien-hinreisend
Eine ältere indigene Kolumbianerin läuft über den »Plaza Central de Monguí«

Ganz typisch für diese Region sind die Ponchos. Hier fielen mir die Umhänge zum ersten Mal auf und es wurde in der kommenden Zeit immer öfter, weil ich mich auf den Weg Richtung Süden Kolumbiens machte und hier die Anden auslaufen. Bei knapp 3.000m Höhenmeter muss man sich gut einpacken, besonders am Abend und in der Nacht.

mongui-4-kolumbien-hinreisend
Kleine süße Hunde streunern durch die Straßen Monguís

Ziemlich gewöhnlich ist es in Kolumbien übrigens auch, dass überall auf den Straßen Hunde leben. Sie vermehren sich ohne Ende und die Regierung investiert leider kaum Geld, um etwas dagegen zu unternehmen – wie oft es mir mein Herz fast gebrochen hätte. Demnach musst du dich erst einmal an das Bild gewöhnen, wenn du durch die kolonialen Städtchen kommen solltest.




Zu der Zeit hatte ich noch einen Lonely Planet Reiseguide für Kolumbien parat, den mir ein Backpacker in Medellin als PDF-Datei zugesendet hatte. So konnte ich immer in meinem Handy nachschlagen, wenn sich irgendwelche Fragen auftaten. Bei Ankunft und Abfahrt in einen neuen Ort habe ich gerne rumgestöbert, um einen guten ersten Eindruck zu bekommen und meine Fühler neu auszurichten.

Ich bin kein Fan von Lonely Planet, das muss ich leider gestehen. Allzu viel würde ich von dem Teil nicht erwarten, weil wirklich gefühlt 80 % aller Backpacker diesen Guide zum Nachschlagen benutzen. Deshalb ist wohl auch der »Gringo Trail« in Südamerika entstanden. Eine Strecke, wo sich viele junge Backpacker immer wieder über den Weg laufen, während ihrer Reise.

Ich habe immer versucht meinen eigenen Weg zu finden und bin deshalb auch in Monguí gelandet, wo wirklich niemand hingereist war, den ich auf meiner Reise zuvor und danach getroffen hatte.

Eine der schönsten Wanderungen auf meiner ganzen Reise

Wenn du auf der Suche nach Erholung, Herausforderung und Kultur(schock) bist, dann wird dir Monguí ganz bestimmt gefallen. Die Wanderung in den Páramo de Ocetá war definitiv das Highlight meines Aufenthaltes in Monguí, Boyacá-Kolumbien.

paramo-de-oceta-mongui-5-kolumbien-hinreisend
Das Tor markiert den Eingang zum Páramo de Ocetá

Hier begann also die Wanderung in eines der wichtigsten Ökosysteme Kolumbiens. Ich war mit einem Guide alleine unterwegs, weil es außer mir zu dem Zeitpunkt niemand anderes gab, der auch die Wanderung machen wollte. Glück für mich, Pech für den Guide, denn dadurch musste er sich an mein »langsames« Wandertempo anpassen. Auf 3.000m Höhe war das eine sehr große Herausforderung für mich. Bis hierher war ich bereits ein paar Mal erst Wandern gewesen, aber gleich 13 Kilometer an einem Stück.. auf dieser Höhe stellte das einen neuen Rekord für mich dar.

Gut, dass ich den Abend zuvor noch bei einem kleinen Laden angehalten hatte, um Handschuhe und Proviant für den Wandertag zu besorgen. Außerdem hatte ich keine Wanderschuhe dabei, sondern nur meine treuen Laufschuhe – keine guten Voraussetzungen, aber ich wollte unbedingt Idee Landschaften gesehen haben. Das Klima im Páramo ist sehr wechselhaft. In einem Moment kann es strahlenden Sonnenschein geben und im anderen Moment regnet es und deine Füße werden nass.


Hol dir die neuesten Reisetrends für Südamerika auf dein Phone


Der Guide benutzte für die ganze Wanderung Gummistiefel und ich wollte mir auch welche ausleihen von ihm, aber es gab nirgendwo welche in meiner Schuhgröße. Also wurden meine Füße durch Plastiktüten wasserdicht gemacht, ab in dicke Socken rein und los. Ein super Trick, den ich bis hierher nicht kannte – und nebenbei, es fühlt sich irgendwie komisch an. Aber meine Füße wurden durch den nassen Boden später nicht nass und kalt wurde mir auch nicht (größtes Risiko, um krank zu werden).

paramo-de-oceta-mongui-6-kolumbien-hinreisend
Die Wanderung durch den „Paramo de Ocetá“ konnte losgehen

Wie bereits gesagt, der Guide war es gewohnt, immer in einem zackigen Tempo zu wandern. Aber ich hatte mir angewöhnt auf die Signale meines Körpers zu hören. Nicht mehr, nur um einen Fremden zu beeindrucken, teilweise zu weit zu gehen. Wenn ich also außer Atem war, dann signalisierte ich es ihm und wir machten Halt.

Der Körper muss sich erst an diese Höhe gewöhnen, zumindest jener Körper, der normalerweise in einer Großstadt lebt – auf einer Höhe von knapp 50m.

paramo-de-oceta-mongui-7-kolumbien-hinreisend
Der Madeira-Natternkopf, sehr gerne »Stolz von Madeira« genannt

Laut Google nennt sich diese Pflanze »Stolz von Madeira« und sie soll nur auf Madeira in Portugal vorkommen. Ich wage es zu bezweifeln, weil in der ganzen Umgebung hier auch fremde Baumarten auftauchten, die gewöhnlicherweise andernorts vorkommen. Also ist eine Anzucht wohl der wahrscheinlich

Beispielweise gab es viele Fichten und der Duft von deren Nadeln lag am Eingang zum Páramo in der Luft. Ich fragte den Guide und er meinte, dass ein ehemaliger reicher Präsident einst dafür gesorgt hätte, dass diese Arten den Weg nach Kolumbien machten und sich nun aus den Regionen um Bogotá herum, bis in die entfernteren ländlichen Regionen verbreiteten.

paramo-de-oceta-mongui-9-kolumbien-hinreisend
Eine überragende Vegetation so weit das Auge reicht

Ich bin in die Wanderung ohne jegliche Erwartungen gegangen und wurde mehr als tausendfach überrascht. Es ist schwierig als leidenschaftlicher Fotograf, den Spagat zwischen purem Genießen und Fotografieren zu machen. Aber bei diesen wunderschönen Landschaften musste ich regelmäßig knipsen. So etwas hatte ich noch nie gesehen und diese Momente dürfte ich ganz alleine genießen, keine wilden Selfie-Touristen um mich herum. Juhu.

Diese spezielle Pflanze hier ist charakteristisch für den Páramo, denn hierüber wird das Wasser aufgenommen, gespeichert und in den Boden weitergeleitet. Der Stamm ist sehr buschig und wenn man hineinschauen kann, dann sieht man, dass es sich hierbei um ein hervorragendes Ökosystem der Natur handelt. „Frailejón“ ist der Name und man ist sehr stolz auf diese besondere Pflanzenart.

paramo-de-oceta-mongui-8-kolumbien-hinreisend
Die Oberfläche der Blätter war sehr weich und flauschig

Ich habe leider kein Bild davon, aber als ich bei einem abgeknickten Stamm hineinschaute, sah ich quasi ein Rohr, das bis oben mit Wasser aufgefüllt war. Angepasst an den Rythmus des Klimas wird neues Wasser aufgenommen, gespeichert, abgegeben und wieder von vorne. Mich als Pragmaten, hat das wechselnde Klima immer sehr genervt (An- und Ausziehen der Klamotten). Aber für unsere Mutter Natur sind diese Umstände hervorragend.

Traurig nur, dass Großfirmen wie Coca-Cola und Néstle, Kolumbien und Co. ausbeuten und dem Volk ihr eigenes Wasser in abgefüllten Plastikflaschen verkaufen müssen.

paramo-de-oceta-mongui-10-kolumbien-hinreisend
Gigantische Felsformationen ragen hier und dort aus dem Boden hinaus

Vor der Natur fühle ich mich klein und unwichtig

Während des Wanders in ungewohnter Umgebung, fühle ich mich jedes Mal sehr klein. Wenn man sich die Berge, riesigen Felsen, fließende Bäche und fröhlich umherfliegende Vögel bewusst anschaut, dann kann einem nur das Herz aufgehen. Und das geschah auf dieser Wanderung bei mir auch. Ich würde meinen, dass mich ab jetzt das Fieber richtig angesteckt hatte und ich ready war für weitere Wanderabenteuer. Man kann sich austoben und fast überall raufklettern und den Blick nochmals in eine ganz andere Richtung schweifen lassen. Wenn man aufmerksam beobachtet, kann einem in der Natur gar nicht langweilig werden.

paramo-de-oceta-mongui-11-kolumbien-hinreisend
Weite Landschaften und Seen in Boyacá, Kolumbien

Herkunft des WM Fußballs 1994

Für einen ehemaligen Fußballspieler und Fanatiker kam natürlich noch der Besuch im Fußball Museum hinzu. Hier haben sie tatsächlich den WM Fußball für die FIFA Fußball Weltmeisterschaft 1994 hergestellt. Die Einheimischen sind darauf stolz wie Bolle.

mongui-1-kolumbien-fussball-hinreisend
Hier werden die ersten Vorlagen für einen neuen Fußball hergestellt

Ich schlenderte durch die Straßen des kleinen Örtchens und wurde auf dem Hauptplatz fündig. Ich wusste bereits zuvor, dass es hier ein Fußball Museum geben würde. Deshalb nahm ich mir am zweiten Tag nachmittags Zeit hierher zu gehen. Der Muskelkater von der Wanderung steckte mir unendlich in den Knochen, außer kriechen war eh nicht viel mehr drin.

mongui-2-kolumbien-fussball-hinreisend
Eine junge kolumbianische Frau stellt die Nähte eines Fußballs her

Ich war der einzige Besucher hier und dazu noch mit hellen Haaren und groß. Überaus freundlich hießen sie mich willkommen, nachdem ich mich auf Spanisch nett vorstellte. Überall gab es Fußbälle zu sehen und zu kaufen. Auf der ersten Etage wurden dann einige in Vitrinen ausgestellt. All jene, die für eine Fußball Partie hier angefertigt wurden.

mongui-kolumbien-fussball-hinreisend
Auf dem Hauptplatz steht diese Statue, als Erinnerung für eine Auszeichnung

Nach drei Tagen Monguí, zog es mich weiter nach Villa de Leyva. Da ich für ein deutsches Hausbauunternehmen nebenbei arbeitete, wollte ich mir dort eine sonderbare Architekturform ansehen. Doch dazu ein anderes Mal mehr.


Hol dir jetzt den Work & Travel Guide: 21 Hacks, um sich das Reisen mit kleinen Jobs zu finanzieren


Höre jetzt: Als Frau 6 Monate alleine durch Afrika – mit Michaela Gruber


Dich reizt das Land der Hobbits? Zu Gast im Talk der Projekt-Neuseeland.de Gründer