Palomino – Wo die Zeit still steht

Noch in San Gil, ging es für mich auf die 1. Nachtfahrt in einem Bus in Kolumbien. Satte 13h nach Santa Marta an der Karibischen Küste.

Ich hatte zuerst überlegt in Santa Marta zu bleiben, doch irgendwie gefiel mir die Idee, direkt nach Palomino zu fahren – einem verschlafenen Surferort mit herrlichem Strand und Palmen an der Karibischen Küste.

Noch am Bus-Terminal in San Gil traf ich auf eine Truppe Holländer, mit denen ich später auf der Reise noch gute Freunde werden sollte.

Immer gut einpacken

Wir nahmen also Platz in unserer Limousine gen Norden. Doch als wir uns niederließen, fiel mir auf, dass es arschkalt war im Bus.

Ich hatte kurze Hose und T-shirt an und das war definitiv das falsche Outfit für ne Nachtfahrt im Bus.

Ich also nochmal rausgesprungen und den Schlafsack mobilisiert. Ja, das war eine grandiose Idee. So konnte ich bestens die Nacht durchschlafen.

Wenn ich euch einen Reisetipp für den Bus geben kann, dann nehmt auf jeden Fall 'nen Schlafsack oder ne dicke Jacke mit.




Und, setzt euch am Besten in die 1. Reihe. Dann könnt ihr die Füße auf einer Ablage auflegen und so halbwegs gut durchschlafen. In der Nähe der Toilette ist bei 13h Fahrt eher weniger zu empfehlen...

Als wir dann los sind und in den Bergen unterwegs waren, kam ich mir vor, wie in den Serpentinen. Doch da ich robust wie ein Bison bin, machte mir das gar nicht zu schaffen.

Doch meinem französischen Weggefährten offensichtlich schon. Denn der machte sich unsere Essenstüte wenige Sekunden später zunutze.

Oh je, der Arme. So musste er mindestens 3x »ciao, ciao« zum Abendessen sagen.

Mich störte es weniger und ich versuchte während Horror-Movie und 120db Lautstärke einzuschlafen.

Hin und wieder wachte ich auf, doch die Fahrt verging wie im Fluge. Um ca. 6.30 Uhr in der Früh sind wir dann am Bus-Terminal in Santa Marta angekommen.

Ich war froh, dass ich nur kurze Hose und T-shirt an hatte, denn Santa Marta zeigte, was mich an der Karibischen Küste wettertechnisch erwarten würde.

Die Holländer sind in Santa Marta geblieben und ich wollte mit Alex und dem belgischen Pärchen nach Palomino weiter.

2h haben wir am Bus-Terminal auf den Bus gewartet und dann ging es weiter.

Raus aus der sengenden Hitze hier und vorbei am wunderschönen Nationalpark Tayrona –den ich zu späterem Zeitpunkt noch kennenlernen sollte – kamen wir dann irgendwann in Palomino an.

Endlich in Palomino – aus der anderen Richtung kommend

Oder wir fuhren durch Palomino durch. Denn der Busfahrer vergaß, dass wir dort aussteigen wollten und ließ uns deshalb irgendwo im Nirgendwo hinter Palomino auf der Straße raus.

So sehen Abenteuer-Reisen eben auch aus. Du musst auch mal mehrere Kilometer mit deinem Backpack irgendwo durch die Walachei latschen.

In der prallenden Sonne und etwas angekratzt von der langen Reise, fanden wir dann so langsam den Weg Richtung Hostel.

Wir hatten zwar nichts reserviert, doch die Richtung, in die wir liefen, schien richtig zu sein.

Als wir dann am Wunschort angekommen waren, stellte sich heraus, dass wir nach einer anderen Ortschaft suchen mussten.

In dem Hostel, wo wir bleiben wollten, gab es am Abend davor einen großen Brand, der 3 Hütten nieder gebrannt hatte. Verursacht durch Elektronik. Aber zum Glück keine Verletzten.

Nur 3o Meter entfernt von hier erwartete uns das »Tiki Hut Hostel«. Eine riesige Strohhütte im Eingangsbereich hieß uns willkommen. Und es gab Betten für uns!

Hier verbrachte ich also 3 wunderschöne Tage.

Mehr als Alex und das belgische Pärchen. Sie wollten nämlich nur 1 Nacht bleiben, um am nächsten Tag weiter Richtung Wüste ganz im Norden Kolumbiens zu reisen – La Guajira. Ans Ende der Welt. Eine Wüste direkt an der Karibischen Küste. Die Bilder die ich gesehen habe waren traumhaft.

Doch das Reisetempo war absolut nicht meins. So machte ich aber wenigstens Bekanntschaft mit der Art und Weise von Reisen, die mir gar nicht zusagen. Nur von Ort zu Ort zu huschen ohne wirklich die Atmosphäre des Ortes wahrnehmen zu können.

Pures Karibikfeeling – mit Machete sind Kokosnüsse leicht zu öffnen

Alex' und mein Weg trennten sich somit in Palomino. Doch ich bin dankbar für die tollen Geschichten und Erlebnisse, die wir austauschen konnten. Das gehört eben auch zum Reisen dazu, lieben Menschen irgendwann »Auf Wiedersehen« zu sagen und zu hoffen, man sieht sich daheim irgendwann wieder.

Jetzt war ich also mal wieder alleine seit ner Woche. Und ich habe es genossen. Ich bin am Strand entlang gejoggt. Bin in die Wellen gerannt. Habe Kokosnüsse gesammelt. Alles zu der Zeit, wie es mir gefiel.

Das ist der Vorteil, wenn man alleine reist. Man muss sich vor niemandem verantworten, warum man jetzt dieses oder jenes tut. Wenn man mit jemandem zusammen ist, kommt irgendwann einmal der Punkt, wo man Kompromisse eingeht.




Dennoch macht es Spaß gemeinsam zu Reisen. Daher wartete die nächste Gelegenheit nicht lange auf mich und ich lernte Céline aus der Schweiz kennen. Sie wollte als nächstes genau dorthin, wo ich auch noch gerne hin wollte. Mit ihr sollte ich eine coole Zeit in Minca haben. Doch dazu später.

Ein Ort zum Entspannen

In Palomino kannst du im Meer baden, Cocktails schlürfen, Kokosnüsse sammeln, selbstgemachten Schmuck von Hippies kaufen, Selfies mit Palmen machen, ein Board ausleihen oder einfach nur chillen. In einem der hübschesten Hostels in Kolumbien oder am Strand eben.

WiFi gibt es fast überall. Doch der Empfang ist sau schlecht, sodass du quasi gar kein Internet hast. Es gibt, denke ich, schlimmere Orte, um nicht mit der Welt vernetzt zu sein. Denn es lohnt sich, sich in diesem verschlafenen Örtchen der Zeit anzupassen. Oder sie zu vergessen.

In der ersten Nacht habe ich einen unglaublich schönen Sternenhimmel gesehen. Selten so klar und deutlich wie dort. 2 Sternschnuppen sagten »Hallo« zu mir als ich vor mir her träumte.

Es sind genau diese Momente, die einem im Gedächtnis bleiben.

Am nächsten Tag bin ich dann mit 2 Mädels aus England zum »Tubing« gegangen. Tubing in Palomino ist ziemlich entspannt. Wie eigentlich alles dort.

Tubing mit den Briten im Dschungel – alles ist relaxt in Palomino

Man nimmt sich einen großen Reifen, steigt auf ein Mototaxi und dann geht's ab zu nem Fluss. An verschiedenen Stromschnellen nimmt man dann kurz ordentlich Fahrt auf, um dann für weitere Minuten entspannt auf dem Fluss zu treiben.

Mir hat es richtig gut gefallen, weil man ganz tolle Eindrücke vom Dschungel bekommt. Hier in Kolumbien war es meine 1. Erfahrung mit dem Dschungel. Ich konnte am Ufer ein Tapir beim Rumtollen im Wasser beobachten.

2h hat der ganze Spaß gedauert und dann kamen wir wieder direkt am Meer raus. Ein gemütlicher Spaziergang am Strand und wir waren wieder am Tiki Hut Hostel.

Direkt am Wasser gibt es einige nette Restaurants, die vor allem gut zubereiteten Fisch servieren. Dazu flackern große Fackeln um dich herum, da Elektrizität hier nicht bestens verfügbar ist. Außerdem sieht es auch schicker aus.

Die Hitze hat mir allerdings schon etwas zugesetzt. Viel Sonnenmilch und gaaaaanz langsames Fortbewegen liegt an der Tagesordnung. Dann hält man es an diesem schönen Fleckchen Erde gut aus.

Überall findest du außerdem Hängematten. Die machen das karibische Feeling wirklich perfekt.

Wenn dir doch mehr nach Action ist, dann kannst du dir am Strand ein Board ausleihen. Hier kam ich noch nicht dazu, in Costeño Beach einige Zeit später wurde es erst Zeit für meine ersten Wellen.

Nach 3 Tagen Karibik machte ich mich dann mit Céline auf in Richtung Minca. Einem ebenfalls lässigen und entspannten Dorf, verlassen im Dschungel der Sierra Nevada de Santa Marta.

Hier sollte ich die größte Hängematte zu Gesicht bekommen, die ich jemals gesehen habe.